Suchtberatung für Jugendliche
Wann ist Suchtberatung für Jugendliche sinnvoll? Die Jugend ist für viele Menschen eine Phase des Ausprobierens und der neuen Erfahrungen. Dazu gehören beispielsweise auch erste Erfahrungen mit Alkohol, Tabak und anderen Drogen, ausgiebiger Medienkonsum oder Berührungspunkte mit Glücksspiel. Diese Erfahrungen können Spaß machen und gehören für viele zum Erwachsenwerden dazu.
Der Konsum kann aber auch Bedenken aufwerfen. Suchtberatung ist auch für Jugendliche ein Weg, den Bedenken zu begegnen. Egal, ob du dich selbst damit befassen willst oder es dir von anderen ans Herz gelegt wurde: Suchtberatung kann dich darin unterstützen, einen Weg zu finden, der langfristig für dich funktioniert.

„Konsum von Alkohol und auch das ausprobieren von Drogen gehört zum Jugendalter. Ab und zu kann es aber zu viel werden, es tauchen unangenehme Konsequenzen auf – die Schule oder Eltern machen Stress. Und dann stellen sich Viele die Frage. Habe ich ein Problem mit Drogen? Zocke ich zu viel, oder übertreiben meine Eltern einfach? Wieso besaufe ich mich immer fast in die Bewusstlosigkeit?“
„Grundlegend ist es wichtig zu verstehen, dass das „Austesten von Grenzen“ in der Adoleszenz normal ist. Damit gehen verschiedene jugendtypische Straftaten einher. Dies betrifft insbesondere den Konsum von legalen und illegalen Substanzen. In vielen Fällen ist der Konsum nur temporär und hört von alleine auf.“
Wichtig: Die Beratenden unterliegen der Schweigepflicht. Solange dein Wohl nicht auf dem Spiel steht, dürfen sie niemandem von dem Besprochenen erzählen. Du kannst mit Ihnen auch dann offen sprechen, wenn du etwas Illegales gemacht haben solltest.
Auf der DigiSucht-Plattform finden auch Jugendliche die passende Suchtberatungsstelle und können sich online beraten lassen.
Die Registrierung ist anonym. Die angegebenen Daten dienen nur dazu, dich einer passenden Beratungsstelle zuzuordnen und es lässt sich davon nicht darauf schließen, wer du bist. Es wird nach Alter, Postleitzahl, Geschlecht, Thema der Anfrage und danach gefragt, ob du selbst betroffen oder angehörig bist.
Suchtberaterinnen und Suchtberater beantworten Fragen zu Suchtberatung für Jugendliche
Zum DigiSucht-Netzwerk gehören über 1.100 Beraterinnen und Berater von über 450 Beratungsstellen (Stand: März 2025). Einige beschreiben hier, wie Suchtberatung für Jugendliche in der Praxis aussieht.
Gibt es Unterschiede zwischen einer Suchtberatung für Jugendliche und der für Erwachsene?
Spielst du freiwillig mit dem Gedanken, einer Suchtberatungsstelle zu schreiben? Die Erfahrungen der Beraterinnen und Berater zeigen, dass das eher selten der Fall ist. Ein großer Unterschied ist deshalb, dass Jugendliche häufiger auf Anweisung oder Drängen anderer Menschen hin den Weg in die (digitale) Suchtberatung finden. Häufig sind:
- Eltern
- Jugendamt
- Jugendhilfeeinrichtungen
- Jugendhilfe im Strafverfahren
der eigentliche Grund, warum Jugendliche in einer Suchtberatungsstelle auftauchen.
Das wissen die Beratenden und passen die Beratung dementsprechend an. Sie kommen euch entgegen und wollen einen Raum bieten, in dem Konsum besprochen werden kann. Inhaltlich geht es dann beispielsweise um risikoarmen Konsum, weiterführende Hilfsangebote und persönliche Motive für den Konsum.
Die Beratenden betonen aber auch einige Gemeinsamkeiten von Jugendlichen- und Erwachsenenberatung:
- Grundlegend unterliegen die Beratenden auch in der Jugendberatung der Schweigepflicht.
- Falls zutreffend, unterscheidet sich die Diagnose einer Abhängigkeit nicht.
- Der grobe Ablauf einer Beratung bleibt gleich.
- Die Gespräche sind immer respektvoll und auf Augenhöhe.
Qualitativ und prozesshaft entspricht die Beratung eines jungen Menschen der eines Erwachsenen, d. h. sie umfasst die Arbeitsschritte Intake und Auftragsklärung [Was ist der Grund für die Beratung?], Sucht- und Sozialanamnestik (Wie sieht das Konsumverhalten aus?), Diagnostik (Liegt eine Abhängigkeit vor?) und Auftragserfüllung (Welche Lösungen und Strategien sind sinnvoll?).
In den meisten Fällen liegt bei Jugendlichen noch keine Abhängigkeitserkrankung vor. In diesen Fällen handelt es sich idR. um Missbrauchskonsum – das führt dazu, dass sich die Thematiken und Ziele der Beratung stark unterscheiden. Es wird z.B. gemeinsam über risikoarmen Konsum und kontrolliertes Konsumieren gesprochen – Die Jugendlichen sollten gestärkt werden, für einen risikoarmen und kontrollierten Konsum. Hier verfolgen wir eher selten das Ziel der Abstinenz.
In der digitalen Beratung wird versucht, Texte kurz und prägnant zu halten. Und es wird angestrebt, dass weiterführende Hilfen in Anspruch genommen werden, z. B. eine Beratungsstelle aufzusuchen, mit uns in Kontakt zu bleiben (z. B. auch über Video-Call).
Motivierende Gesprächsführung hat einen besonderen Stellenwert, sodass die Jugendlichen darin bestärkt werden, über die Problematik zu sprechen.
In der Jugendsuchtberatung versuchen wir den jungen Menschen mehr entgegen zu kommen. Oft wird mobile Beratung z.B. in der Schule, im Jugendzentrum oder einfach im Park auf der Bank angeboten. Berater können gerne auch mit Jugendlichen chatten, einen Videocall machen oder telefonieren. Man kann einfach mal vorbeikommen, auch wenn man nicht süchtig ist, sondern nur ein paar Fragen zu Wirkungen oder Risiken hat. Gerne kann man Mal einen Freund oder Freundin mitnehmen.
Wir berücksichtigen die Entwicklungsaufgaben im Jugendalter und daraus ggf. abzuleitende Konsummotive. Es gibt immer subjektive „gute“ Gründe für den Konsum …
Wird mit Jugendlichen in der Suchtberatung anders umgegangen?
Der Umgang mit Ratsuchenden ist in der Suchtberatung immer individuell. Bei Jugendlichen bedeutet das häufig eine niedrigschwellige Ansprache und jugendtypische Gesprächsthemen (z. B. Trennung der Eltern, Krankheit oder Tod eines Elternteils, häusliche Gewalt, Schulmobbing). Ein wichtiges Thema kann das soziale Umfeld sein, das euch im besten Fall emotional und praktisch unterstützen kann.
Suchtberatung für Jugendliche bietet besondere Chancen:
Häufig ist die Abhängigkeit oder der Konsum weniger stark ausgeprägt und hat noch keine langjährigen Schäden mit sich gebracht. Außerdem ist die Beratung häufig der erste Kontakt mit dem Suchthilfesystem und es gibt weniger konkrete Vorstellungen davon, was Beratung kann und was nicht. Diese Chance wollen die Beratenden nutzen, damit ihr früh positive Erfahrungen machen könnt.
Jugendliche werden respektiert und ihre Sorgen werden ernst genommen.
Wir begegnen Jugendlichen in der Regel sehr “türöffnend”, bieten z. B. schnelle Termine an. Zusätzlich wird ihnen empfohlen, sich an ihre Eltern oder andere Vertrauenspersonen zu wenden, oder an spezielle Beratungsstellen.
Der Berater orientiert sich immer an den Wünschen und Zielen der Jugendliche. Was interessiert dich? Was genau gefällt dir an dem Konsum nicht? Was genau willst du verändern? Willst du einfach nur eine Substanz weglassen oder nur reduzieren? Was muss im Gespräch passieren, dass du zufrieden nach Hause gehen kannst?
Meist wird niedrigschwelliger und akzeptanzorientiert mit den Betroffenen gearbeitet. Anbindung des Familiensystems oder weitere schützende Systeme sind wichtiger.
Der Umgang mit Jugendlichen geschieht gleichermaßen respektvoll, kunden- und klient:innenenorientiert wie der Umgang mit Erwachsenen. Die Ziele sind individuell unterschiedlich und bei jungen Menschen tendenziell eher in jugendlichen Lebenswelten verortet.
Die Beratung eines Jugendlichen birgt immer die Chance früher Einflussnahme, möglicherweise eines frühen Abstinenzerfolges, weitreichender Veränderungsmöglichkeiten und einen positiven persönlichen ersten Eindruck vom Suchthilfesystem.
Werden in der Jugendsuchtberatung andere Ziele verfolgt?
Die Beratung ist dazu da, euch zu helfen. Deshalb können die Ziele individuell sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich können in der Jugendberatung alle Ziele verfolgt werden, die in der Erwachsenenberatung auch verfolgt werden können.
Allerdings setzen die Ziele bei Jugendlichen oft früher an. Es geht deshalb seltener darum, sofort mit dem Konsum aufzuhören. Mögliche ziele sind stattdessen z. B.:
- Risikoreichen Konsum früh erkennen und eine Abhängigkeit vermeiden.
- Wissen und Reflexion über Konsum fördern.
- weniger schädliche Konsumarten finden.
- soziale und berufliche Perspektiven entwickeln.
Wenn gewünscht kann auch an andere Angebote im Suchthilfesystem vermittelt werden, wie Entgiftung, Rehabilitation, Jugendhilfe oder Eingliederung.
Grundsätzlich wird in der Suchtberatung niemand zu etwas gezwungen.
Wenn noch kein schädlicher oder abhängiger Konsum festgestellt wird, werden Frühinterventionen verfolgt, d.h. Konsumkompetenz vermitteln und stärken sowie Reflexion des eigenen Konsums fördern.
Oft werden andere Ziele verfolgt, die inhaltlich ebenfalls der Lebensphase zugehören, z. B. Abstinenzzeiten schaffen, Testauflagen bestehen, Schulbesuch wieder aufnehmen, ärztliche oder therapeutische Unterstützung erhalten, Arbeitsförderung nutzen, persönliche und berufliche Perspektive entwickeln.
häufig ist das Ziel: Kontrollierter Konsum, Aufklärung über Konsum, Bewusstsein schaffen
Die Zielerfassung bestimmt grundsätzlich in jedem Alter der oder die Klient*in. Selbst Erwachsene, die bereits ihre Gesundheit dauerhaft geschädigt haben, werden nicht unter Druck gesetzt und dementsprechend auch nicht die Jugendlichen. Das Ziel kann eine Reduzierung der Menge sein oder eine komplette Abstinenz. Es kann aber genauso sein, dass die Person einfach wie gehabt weiter konsumieren will. In diesen Fällen bietet man einfach an, dass sie sich jederzeit melden können, wenn Hilfestellungen gebraucht werden oder wenn man einfach reden will.
Die Beratung kann die gleichen Ziele verfolgen wie bei Erwachsenen, gerade wenn schon eine klar manifestierte Abhängigkeit vorhanden ist, sodass ein ähnlicher Vorgang wie bei Erwachsenen durchgeführt werden kann. Häufig haben die Ziele aber einen präventiven und aufklärenden Charakter.
Grundsätzlich ist das primäre Ziel Aufklärung und Konsumkompetenzen – Schadensminimierung usw.
Was beibt gleich, egal mit wem man redet?
Der Mensch steht immer im Mittelpunkt – egal in welchem Alter. Die Beraterinnen und Berater nehmen Jugendliche ebenso ernst wie Erwachsene, begegnen ihnen mit Respekt und wollen Vertrauen schaffen. Sie sind verständnisvoll, empathisch, ehrlich und verstellen sich nicht.
Viele Grundlagen der Beratung gelten für alle Gruppen: die eigene Haltung, das Arbeiten auf Augenhöhe, respektvoller Umgang, Akzeptanz der Betroffenen, ihrer Situation und Lebenslage.
Es muss in jedem Fall eine Beziehung aufgebaut werden, sodass Vertrauen geschaffen werden kann. Es bleibt immer auf einer Ebene, die auf Augenhöhe stattfindet. Verständnis, Empathie vs. Klarheit und Ehrlichkeit bleiben in jedem Fall wichtig.
Wir nehmen jeden Menschen in seinen Anliegen und persönlichen Zielen ernst und legen Wert auf eine angstfreie, vertrauensvolle Atmosphäre. […] Es gibt immer subjektive „gute“ Gründe für Konsum – wir wollen verstehen, um helfen zu können.
Erfahren die Eltern davon? Müssen die Eltern einwilligen?
Nein. Eine Einwilligung oder Einbindung der Eltern ist nicht notwendig.
Es gibt aber Situationen, wo es sinnvoll ist, die Eltern mit einzubeziehen. Sie können ein wichtiges Puzzlestück in der Ausgangssituation und eine Stütze im veränderten Konsum sein.
Die Beratenden unterliegen der Schweigepflicht und dürfen den Eltern im Normalfall gar nicht von der Suchtberatung ihres Kindes erzählen.
In Einzelfällen können sie von der Schweigepflicht entbunden sein, z. B. bei drohender Eigen- bzw. Fremdgefährdung. Außerdem müssen sie von der Schweigepflicht entbunden werden, falls andere Jugendhilfemaßnahmen beantragt werden sollten.
In einigen Beratungsstellen gibt es die Möglichkeit, dass Eltern auf Wunsch in die Beratung einbezogen werden. Wenn sich Eltern selbst in Beratung begeben wollen – als betroffene oder angehörige Person – wird versucht, diese von einem anderen Berater oder einer anderen Beraterin anzubieten. Bei DigiSucht sind die Ratsuchenden aber soweit anonym, dass die Beratenden nicht von einer Beziehung zwischen Ratschenden wissen können.
Jugendliche können auch ohne Einwilligung der Eltern Beratung in Anspruch nehmen, vor allem, wenn die Eltern ein Teil der Problematik darstellen, oder die Jugendliche Angst vor starken Konsequenzen haben. Die Mitarbeit der Eltern kann aber in vielen Kontexten förderlich sein.
Jeder junge Mensch hat das Recht sich auch anonym und ohne Einwilligung der Eltern beraten zu lassen. Wenn der Berater von Jugendlichen erfährt, dass sein/ihr Leben unmittelbar in Gefahr ist, müssen notwendige Schritte eingeleitet werden. Oft ist natürlich eine Kooperation mit Eltern sinnvoll und wird empfohlen.
Wir stehen grundlegend unter Schweigepflicht. In besonderen Fällen ist es jedoch wichtig, Kontakt zu Erziehungsberechtigten aufzunehmen (z.B. drohende Eigen- oder Fremdgefährdung).
Wir arbeiten idR. daran, ein gutes Vertrauen zu schaffen und zu motivieren, sodass die Eltern mit einbezogen werden können, wenn es sinnvoll ist. z.B. kann ein Kind in vielen Fällen nur in den Entzug oder eine Rehabilitationsklinik aufgenommen werden, wenn die Erziehungsberechtigten einwilligen.
Es ist somit in einigen Fällen das Ziel, die Eltern in wichtige Schritte mit einzubeziehen.
Die Eltern können bei dem Erstgespräch dabei sein, aber sie müssen nicht. Manchmal sind die Eltern für die ersten 15 Minuten anwesend, jedoch wird anschließend das Gespräch getrennt. Inhaltlich erfahren die Eltern nichts. Die Eltern können sich aber jederzeit beraten lassen (Angehörigenberatung), wenn das gewollt ist. Wenn Eltern eine Beratung verlangen, dann werden diese immer an eine andere Berater*in vermittelt, um die Neutralität zu gewährleisten.
Wir unterliegen grundsätzlich der Schweigepflicht und Eltern müssen nicht einwilligen, wenn sich Jugendliche an uns wenden wollen.
Eltern müssen nichts erfahren, außer es besteht der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung.
In Rücksprache mit der Klientin oder dem Klienten versuchen wir aber, die Eltern mit einzubeziehen.
Unverzichtbar ist der Einbezug der Eltern in Schweigepflichtentbindungen gegenüber Institutionen im Falle von Minderjährigen; z. B. bei der Antragstellung zu einer Jugendhilfemaßnahme. Abseits von institutionellen Zuweisungen haben Jugendliche natürlich jederzeit die Möglichkeit, unsere Beratungsstelle persönlich, telefonisch oder per Mail als Selbstmelder zu kontaktieren.
Kann man als jugendliche Person zu jeder Beratungsstelle gehen oder beraten nur manche Beratungsstellen auch Jugendliche?
In den meisten Beratungsstellen sind Menschen jeden Alters willkommen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich einige Suchtberatungsstellen auf bestimmte Altersgruppen spezialisieren. Eine Suchtberatungsstelle kann sich außerdem auf bestimmte Süchte (z.B. Alkohol, Cannabis, Spielsucht) beschränken und Ratsuchende dementsprechend woanders hin verweisen.
Gleichzeitig gibt es auch Suchtberatungsstellen, die nur für junge Menschen da sind. Sie kennen sich besonders gut aus. Es kann sein, dass andere Beratungsstellen euch so eine Jugendsuchtberatungsstelle empfehlen, wenn sie euch nicht selbst beraten oder sie die Jugendberatungsstelle für geeigneter halten.
Ihr müsst keine Bedenken haben, einfach in die nächste Beratungsstelle zu gehen. Im Zweifelsfall kann sie euch weiterverweisen.
Auf der DigiSucht-Plattform gebt ihr bei der Registrierung dein Alter ein und anschließend werden dir nur passende Beratungsstellen angezeigt.